Verpackungslizenzierung im Dropshipping: Wer ist verantwortlich?
Beim Dropshipping ist derjenige für die Verpackungslizenzierung verantwortlich, der die Ware erstmals in Deutschland in Verkehr bringt. Dies ist in der Regel der Dropshipper selbst, wenn er als Importeur oder Hersteller auftritt und die Produkte an Endverbraucher in Deutschland verkauft. Die Pflicht umfasst alle Verkaufsverpackungen, die typischerweise beim privaten Endverbraucher anfallen.
- Rechtssicherheit und Vermeidung hoher Bußgelder
- Umweltschutzbeitrag und positive Markenreputation
- Transparenz in der Lieferkette und Wettbewerbsfähigkeit
Verpackungslizenzierung im Dropshipping: Die Grundlagen
Die Verpackungslizenzierung ist ein zentrales Thema für alle Unternehmen, die verpackte Waren in Deutschland in Verkehr bringen. Das Verpackungsgesetz (VerpackG) regelt seit 2019 die Pflichten zur Rücknahme und Verwertung von Verpackungen. Für Dropshipper ist das Verständnis der gesetzlichen Rahmenbedingungen von entscheidender Bedeutung, um Compliance sicherzustellen und rechtliche Risiken zu vermeiden.
Das VerpackG zielt darauf ab, die Umweltbelastung durch Verpackungsabfälle zu reduzieren und eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu fördern. Es verpflichtet Unternehmen, sich an einem dualen System zu beteiligen und ihre Verpackungsmengen zu lizenzieren. Diese Pflicht betrifft alle, die verpackte Waren an private Endverbraucher in Deutschland liefern, unabhängig von der Größe des Unternehmens oder der Menge der in Verkehr gebrachten Verpackungen.
Wer trägt die Verantwortung? Der Inverkehrbringer-Begriff
Der zentrale Begriff im Verpackungsgesetz ist der „Inverkehrbringer“. Dies ist die Person oder das Unternehmen, das eine Verpackung erstmals gewerbsmäßig in Deutschland in Verkehr bringt. Beim Dropshipping kann die Bestimmung des Inverkehrbringers komplex sein, da die Ware oft direkt vom Lieferanten an den Endkunden versendet wird. Oft ist der Dropshipper der Inverkehrbringer, insbesondere wenn er die Produkte aus dem Nicht-EU-Ausland bezieht und unter eigenem Namen an deutsche Kunden verkauft.
Die Verantwortung hängt maßgeblich von der genauen Gestaltung der Lieferkette ab. Wenn der Dropshipper als Verkäufer auftritt, die Ware im eigenen Namen anbietet und die Transaktion mit dem Endkunden abwickelt, liegt die Pflicht zur Verpackungslizenzierung bei ihm. Eine klare Abgrenzung der Rollen innerhalb der Lieferkette ist unerlässlich, um Haftungsrisiken zu minimieren und die korrekte Zuordnung der Pflichten zu gewährleisten.
Die Rollenverteilung kann variieren:
- Dropshipper als Inverkehrbringer: Direkter Verkauf an Endkunden in Deutschland, Bezug aus dem Nicht-EU-Ausland.
- Lieferant als Inverkehrbringer: Falls der Lieferant bereits in Deutschland lizenziert ist und die Ware im eigenen Namen an den Endkunden versendet. (Selten im klassischen Dropshipping).
- Plattform als Inverkehrbringer: In spezifischen Fällen, wenn die Plattform die Verantwortung übernimmt (z.B. Fulfillment by Amazon für bestimmte Produkte).
Pflichten des Dropshippers: Was ist zu beachten?
Dropshipper, die als Inverkehrbringer gelten, müssen sich bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR) registrieren und ihre Verpackungsmengen bei einem dualen System lizenzieren. Diese doppelten Pflichten sind nicht delegierbar und müssen vom Dropshipper persönlich oder durch einen beauftragten Dritten erfüllt werden. Die Registrierung bei der ZSVR ist der erste und grundlegende Schritt, um die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen.
Die Meldung der Verpackungsmengen muss jährlich erfolgen und die tatsächlichen Mengen der in Verkehr gebrachten Verkaufsverpackungen widerspiegeln. Es ist wichtig, genaue Aufzeichnungen über Verkäufe und die verwendeten Verpackungsmaterialien zu führen, um eine korrekte Mengenmeldung sicherzustellen. Diese Meldungen sind sowohl an das duale System als auch an die ZSVR zu übermitteln und müssen miteinander übereinstimmen.
Insider-Tipp: Frühzeitige Registrierung
Warten Sie nicht bis zum letzten Moment. Die Registrierung bei der ZSVR und die Systembeteiligung können einige Zeit in Anspruch nehmen. Eine frühzeitige Klärung vermeidet Engpässe und mögliche Bußgelder.
Das duale System: Funktionsweise und Auswahl
Ein duales System ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verkaufsverpackungen in Deutschland organisiert. Dropshipper müssen einen Vertrag mit einem dieser Systeme abschließen, um ihren Pflichten nachzukommen. Die Auswahl des richtigen Systems hängt oft von den angebotenen Konditionen, dem Service und der Benutzerfreundlichkeit der Meldeportale ab. Es gibt mehrere Anbieter auf dem Markt, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
Die Lizenzgebühren, die an das duale System gezahlt werden, basieren auf den gemeldeten Mengen und Materialarten der Verpackungen. Es ist ratsam, Angebote mehrerer Systeme zu vergleichen, um die kostengünstigste und passendste Lösung zu finden. Transparenz bei den Kosten und eine klare Gebührenstruktur sind hierbei wichtige Faktoren für eine fundierte Entscheidung.
| Kriterium | Beschreibung |
|---|---|
| Kostenstruktur | Gebühren pro Materialart und Menge. |
| Service & Support | Erreichbarkeit, Hilfestellung bei Meldungen. |
| Vertragslaufzeit | Flexibilität der Vertragsbedingungen. |
| Reporting-Tools | Unterstützung bei der Mengenerfassung. |
Materialspezifische Lizenzierung: Ein genauerer Blick
Die Lizenzierung der Verpackungen erfolgt nach spezifischen Materialarten, da diese unterschiedliche Verwertungsquoten und damit verbundene Kosten verursachen. Zu den gängigsten Materialarten gehören Papier/Pappe, Kunststoffe, Glas, Metalle und Verbundverpackungen. Eine präzise Kategorisierung der Verpackungsmaterialien ist unerlässlich, um die korrekten Gebühren zu entrichten und die Compliance zu gewährleisten.
Dropshipper müssen die Gewichte der einzelnen Materialarten ihrer Verkaufsverpackungen ermitteln. Dies kann durch Stichproben, Herstellerangaben oder die Nutzung von Durchschnittswerten erfolgen. Die Genauigkeit der Mengenangaben ist entscheidend für die korrekte Lizenzierung und zur Vermeidung von Nachforderungen oder Bußgeldern bei einer Prüfung durch die ZSVR.
Die gängigsten Materialarten umfassen:
- Papier, Pappe, Karton: Oft für Umkartons und Füllmaterial verwendet.
- Kunststoffe: Folien, Beutel, Blisterverpackungen, Styropor.
- Glas: Flaschen, Tiegel.
- Metalle: Aluminiumdosen, Tuben.
- Verbundverpackungen: Materialmix, der nicht leicht trennbar ist (z.B. Tetra Paks, Kaffeeverpackungen).
Internationale Aspekte: Dropshipping über Grenzen hinweg
Beim Dropshipping aus Nicht-EU-Ländern nach Deutschland ist der Dropshipper fast immer der Inverkehrbringer und somit lizenzierungspflichtig. Bei Lieferungen innerhalb der EU muss geprüft werden, ob der Lieferant bereits in Deutschland lizenziert ist und die Verantwortung übernimmt, was jedoch selten der Fall ist. Internationale Lieferketten erfordern besondere Aufmerksamkeit und eine genaue Prüfung der Verantwortlichkeiten.
Für Dropshipper, die ihre Produkte in andere EU-Länder versenden, gelten die jeweiligen nationalen Verpackungsgesetze dieser Länder. Ein Unternehmen, das europaweit agiert, muss sich daher in jedem Zielland um die Lizenzierung kümmern, in dem es als Inverkehrbringer auftritt. Eine zentrale EU-weite Lösung existiert derzeit nicht, was die Komplexität für international agierende Dropshipper erhöht.
Mythos
Mein Lieferant kümmert sich um alles.
Realität
Die Realität ist, dass die Verantwortung beim Inverkehrbringer liegt. Wenn der Dropshipper die Ware im eigenen Namen an deutsche Endkunden verkauft, ist er der Inverkehrbringer und somit lizenzierungspflichtig, unabhängig davon, was der Lieferant verspricht.
Häufige Fehler und Fallstricke vermeiden
Ein häufiger Fehler ist die Annahme, dass geringe Mengen an Verpackungen keine Lizenzierung erfordern. Jede Verkaufsverpackung ist lizenzierungspflichtig, unabhängig von der Menge oder dem Umsatz. Auch die Nichtbeachtung von Versandverpackungen, die als Verkaufsverpackung dienen (z.B. wenn die Produktverpackung direkt als Versandverpackung genutzt wird), kann zu Problemen führen.
Ein weiterer kritischer Fallstrick ist die unzureichende Dokumentation. Ohne Nachweise über die lizenzierten Mengen und die Systembeteiligung können bei Kontrollen durch die ZSVR oder Wettbewerber erhebliche Probleme entstehen. Eine lückenlose Dokumentation aller relevanten Verträge und Meldungen schützt vor rechtlichen Konsequenzen und dient als Nachweis der Compliance.
Typische Fehlerquellen umfassen:
- Fehlende Registrierung: Nicht bei der ZSVR angemeldet.
- Unzureichende Lizenzierung: Nur einen Teil der Verpackungen lizenziert oder falsche Mengen gemeldet.
- Verwechslung von Rollen: Annahme, der Lieferant sei verantwortlich.
- Mangelnde Dokumentation: Keine Nachweise über Systembeteiligung und Mengen.
Kosten und Kalkulation der Lizenzgebühren
Die Kosten für die Verpackungslizenzierung setzen sich aus den Lizenzgebühren der dualen Systeme und eventuellen Registrierungsgebühren zusammen. Die Gebühren variieren stark je nach Materialart, Menge und dem gewählten dualen System. Eine genaue Kalkulation ist für die Preisgestaltung wichtig, um die zusätzlichen Kosten in die Produktpreise einzubeziehen und die Rentabilität des Dropshipping-Geschäfts zu gewährleisten.
Dropshipper sollten die Lizenzkosten sorgfältig in ihre Produktpreise einkalkulieren, um unerwartete Ausgaben zu vermeiden. Es gibt verschiedene Online-Rechner und Tools, die bei der Schätzung der zu erwartenden Kosten helfen können. Transparenz bei den Betriebskosten ist entscheidend, um wettbewerbsfähig zu bleiben und keine Verluste zu erleiden.
Kostenoptimierung durch Materialwahl
Berücksichtigen Sie bei der Produktauswahl und Verpackungsgestaltung die Lizenzkosten. Bestimmte Materialien sind günstiger in der Lizenzierung als andere. Eine bewusste Materialwahl kann Kosten senken.
Rechtliche Konsequenzen bei Nichteinhaltung
Verstöße gegen das Verpackungsgesetz können erhebliche Bußgelder nach sich ziehen. Diese können bis zu 200.000 Euro betragen und stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Existenz eines Dropshipping-Unternehmens dar. Zudem drohen Vertriebsverbote für nicht lizenzierte Produkte, was den Geschäftsbetrieb massiv beeinträchtigen und zu erheblichen Umsatzeinbußen führen kann.
Neben Bußgeldern und Vertriebsverboten können auch Abmahnungen von Wettbewerbern, Verbraucherschutzorganisationen oder Umweltverbänden erfolgen. Solche Abmahnungen sind oft mit hohen Kosten verbunden und können den Ruf des Unternehmens nachhaltig schädigen. Der Reputationsverlust durch solche Vorfälle ist nicht zu unterschätzen und kann langfristige negative Auswirkungen haben.
Bußgelder und Marktverbot
Laut ZSVR-Angaben wurden in den letzten Jahren zahlreiche Bußgeldverfahren eingeleitet und in vielen Fällen auch Marktverbote für Produkte ausgesprochen, die nicht ordnungsgemäß lizenziert waren. Dies unterstreicht die Ernsthaftigkeit der gesetzlichen Anforderungen.
Strategien zur effizienten Umsetzung
Eine proaktive Herangehensweise ist der beste Weg, um die Anforderungen des Verpackungsgesetzes zu erfüllen. Dropshipper sollten frühzeitig alle notwendigen Schritte einleiten, sich umfassend informieren und eine klare Strategie entwickeln. Eine Checkliste zur Compliance kann hierbei sehr hilfreich sein, um keinen wichtigen Schritt zu übersehen und den Überblick zu behalten.
Die Zusammenarbeit mit erfahrenen Dienstleistern oder Beratern kann die Komplexität der Verpackungslizenzierung erheblich reduzieren. Diese können bei der Registrierung, der Mengenerfassung und der Auswahl des passenden dualen Systems unterstützen. Externe Expertise nutzen, um Fehler zu vermeiden und den Prozess effizient zu gestalten, ist oft eine lohnende Investition.
Automatisierung der Mengenerfassung
Nutzen Sie, wo immer möglich, Automatisierungstools oder Schnittstellen zu Ihrem Warenwirtschaftssystem, um die Erfassung der Verpackungsmengen zu vereinfachen und Fehler zu minimieren.
Überprüfung und Dokumentation der Compliance
Regelmäßige Überprüfungen der eigenen Prozesse sind unerlässlich, um die fortlaufende Einhaltung des Verpackungsgesetzes sicherzustellen. Stellen Sie sicher, dass alle verwendeten Verpackungen korrekt erfasst und lizenziert sind und dass die gemeldeten Mengen den tatsächlichen Werten entsprechen. Interne Audits schaffen Sicherheit und helfen, frühzeitig potenzielle Schwachstellen oder Abweichungen zu identifizieren.
Bewahren Sie alle Verträge mit dualen Systemen, Registrierungsbestätigungen der ZSVR und detaillierte Mengenangaben sorgfältig auf. Diese Dokumente sind bei möglichen Kontrollen durch die ZSVR oder andere Behörden vorzulegen. Eine vollständige und zugängliche Dokumentation ist Ihr bester Schutz vor rechtlichen Problemen und dient als Nachweis Ihrer Compliance-Bemühungen.
Wichtige Dokumente zur Aufbewahrung sind:
- Registrierungsbestätigung: Von der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR).
- Systembeteiligungsvertrag: Mit dem gewählten dualen System.
- Mengenmeldungen: Jährliche Meldungen an das duale System und die ZSVR.
- Rechnungen/Belege: Für die lizenzierten Mengen und Gebühren.
- Kommunikation: Schriftverkehr mit Behörden oder Dienstleistern.
Checkliste: Verpackungslizenzierung für Dropshipper
- Rollenklärung: Wer ist der Inverkehrbringer?
- Registrierung: Anmeldung bei der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR).
- Systembeteiligung: Vertrag mit einem dualen System abschließen.
- Mengenerfassung: Genaue Erfassung aller Verpackungsmaterialien und -mengen.
- Meldung: Jährliche Meldung der Mengen an das duale System und die ZSVR.
- Dokumentation: Alle Nachweise sorgfältig archivieren.
- Regelmäßige Prüfung: Compliance-Prozesse kontinuierlich überprüfen.




